70 Jahre Befreiung – Gedenkstättenfahrt Krakow

antifascist_Krakow-1150x440Wir waren gespannt, was passieren würde, wenn bundesweit gut 550 Falken und Falkinnen zur Gedenkstättenfahrt nach Krakau und Auschwitz fahren. Aus dem Landesverband Sachsen waren ca. 40 Interessierte dabei. Darüber, was unsere „Erwachsenengruppe“ (Wir-Gruppe und Rosas Cookies) zusammen mit der „Jugendgruppe“ (Schwarze Schafe – Denies Bärnd und Monstermafia) erlebt haben soll der redaktionell aufgearbeitete Facebook-Eintrag einer Teilnehmerin.

Von Sonntagabend bis Samstagmorgen machten wir uns während der sächsischen Osterferien auf dem Weg nach Krakau. Anlässlich des 70. Jubiläums der Befreiung von Auschwitz wollten wir uns eine Woche lang mit dem Nationalsozialismus, dessen menschenverachtender Ideologie und dem System der Konzentrationslager auseinandersetzen.

Den stärksten Eindruck hinterließ die Gedenkstätte Auschwitz als Gesamtwerk. Die Fahrt dahin war noch ausgelassen. Doch als wir in das Stammlager hineingingen, legte sich ein bedrückendes Gefühl über unsere Gruppe und die Stille war quasi greifbar. Baracke stand gedrängt an Baracke. Die Vorstellung, dass hier und in der Nähe, Menschen bis zur Erschöpfung arbeiteten lag fern. Das Wetter war zu gut, die Touristen zu viel. Mit geschlossenen Augen klang das KZ wie ein Stadtpark. Das Leid von damals schien für uns nicht greifbar. Eine ungefähre Vorstellung über das Ausmaß der Grausamkeit bekamen wir durch die aufgetürmten Berge von Haaren, Brillen, Prothesen und Koffern hinter riesigen Glasscheiben. Das Emotionalste war für mich jedoch der Berg von Kinderschuhen der Ermordeten – wie konnte ein System und dessen Vollstrecker*innen den Unschuldigsten und Schutzbedürftigsten so etwas Schreckliches antun? Als wir das Stammlager verließen, schien die normale Welt fern. Jede und jeder hing den eigenen Gedanken nach. Erst beim Mittagessen fanden wir unsere Worte wieder.

Danach fuhren wir nach Auschwitz II Birkenau. Die Baracken standen hier zwar auch eng, doch das Vernichtungslager war viel weiterläufiger. Das große Ausmaß wird einem Menschen wahrscheinlich nur dann klar, wenn sie oder er diesen Ort selbst besucht. Besonders, da nur die Hälfte von Birkenau erhalten geblieben ist. Nach einer „Sanitärbaracke“ gingen wir zu den Gedenktafeln, darauf folgte ein von den Nazis zerstörtes Krematorium. Am Ende unserer Führung standen wir in einer Kinderbaracke. Es schien schon fast zynisch, dass die Nazis hier das Bild eines Kindes, welches in die Schule ging, malen ließen. Als wir auf dem Parkplatz auf unseren Bus warteten, stand vielen der Schock ins Gesicht geschrieben. Für uns war die Ignoranz der Menschen unbegreiflich, welche in dieser Gedänkstätte „Selfies“ – mit den berühmten Worten „Arbeit macht frei“ oder den Bahngleisen im Hintergrund – machten. Genauso wie die Respektlosigkeit der Personen welche Kritzelein im „Wir-waren-hier“-Stil an den Wänden der Baracken hinterließen.

Der Freitag gab uns durch den Besuch der verschiedenen Ausstellungen die Möglichkeit individuell zu bestimmen über was wir mehr erfahren wollten. Doch geschuldet der Schock-Pädagogik in manchen „Länderausstellungen“ war für viele schon nach wenigen Stunden Schluss – überladen von Eindrücken.

Den frühen Nachmittag widmeten wir dem individuellen Gedenken in unseren Gruppen. Wir legten Steine, rote Nelken und auch Selbstgeschriebenes ab. Genauso stumm wie wir das „Erinnern“ begingen, liefen wir auch zum Ausgang. Danke an alle Beteiligten, die durch eine gute Organisation, benötigten Rückhalt oder ihr angemessenes Verhalten diese Gedenkstättenfahrt zu einer intensiven Erinnerung gemacht haben.

Gegen das Vergessen – Nie wieder Auschwitz, nie wieder Faschismus, nie wieder Verleugnung.

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